Bike-Sharing könnte eine angenehme Möglichkeit sein, um sich durch die römische Altstadt zu bewegen. Könnte. Denn leider funktioniert es nicht. Von der Vorfreude zum Verdruss.

 

Phase 1: Vorfreude

Schon bei meinen letzten Aufenthalten in Rom gefiel mir die Idee des Bike-Sharing in der römischen Altstadt. An über 20 Stationen kann man sich ein Fahrrad leihen und es an einer anderen Station wieder abgeben. Das entlastet die Füße, denn unter der Woche fährt ab 23.3o Uhr keine Metro mehr und nur selten ein Bus in die richtige Richtung.

Für den Vertrag mit der Stadt Rom benötigt man einen Codice Fiscale, eine italienische Steuernummer, die jeder beantragen kann.

Diese Steuernummer trägt man in den Vertrag ein, den man mit der Stadt Rom eingeht. An verschiedenen Metrostationen kann man den Vertrag bei den römischen Verkehrsbetrieben, der ATAC,  erhalten. Nachdem man den Vertrag neun (!) Mal unterschrieben hat, erhält man für 10 Euro eine tessera, einen Bike-Sharing-Ausweis. Fünf Euro ist Gebühr und fünf Euro sind Guthaben.

Für jede angefangene halbe Stunde zahlt man 50 Cent.

Erwartungsvoll spazierten wir mit unseren neuen Ausweisen bald nach unserer Ankunft los.

Phase 2: Vergnügen

… und wunderten uns: Nur ein einziges Fahrrad stand an der ersten Station und der Anblick war jämmerlich. Der Reifen hing schlapp um das Hinterrad.

An der nächsten Station, die wir zu Fuß erreichten, bekamen wir immerhin ein Fahrrad und fuhren zu zweit auf diesem zur dritten Station. Und endlich: Ein weiteres Fahrrad, aufgepumpt und mit zwei Pedalen, stand bereit.

Zwar war der Sattel zu niedrig – die Knie streiften beim Treten die Ohren – aber warum kleinlich sein? Wir fuhren in der römischen Sommernacht über den spiegelnden Asphalt der Via del Corso. Vorbei am Parlament hin zum Pantheon. Dort schoben wir stolz wie römische Legionäre unsere Fahrzeuge über den Platz, winkten den Kindern und ließen uns von fußkranken Touristen beneiden.

Gemütlich radelten wir zurück bis quasi vor die Haustüre, denn genau da, befindet sich ebenfalls eine Station. Perfekt, dachten wir.

Phase 3: Verdruss

Leider standen höchst selten Fahrräder an der Station in der Nähe der Wohnung und meist auch an den anderen Stationen nicht und wenn, dann waren sie kaputt.

Wenn die Räder nicht kaputt waren, ließen sie sich einfach nicht aus der Verankerung lösen. So oft wir unsere Karten an die Säulen hielten, an die die Räder mit einer Art Kolben angeschlossen sind und ein schnelles Piepsen uns das Entriegeln signalisieren wollte: Nichts ging.

Phase 4: Vertrag?

Vielleicht war das Guthaben von fünf Euro aufgebraucht? Das wollten und konnten wir aber erst wieder herausfinden, als die Metrostation Spagna wieder offen hatte. Bis Ende August war diese unglücklicherweise auch noch wegen Bauarbeiten geschlossen.

Als ich wieder einmal nach dem Einkaufen mit Tüten beladen versuchte, ein Fahrrad zu entriegeln, fragte mich eine Römerin, ob es denn nun wieder Fahrräder gäbe. Sie hätte sich nämlich bei der Stadt beschwert, dass viel zu wenige Räder da wären und man hätte ihr versprochen, das zu ändern. Als ich antwortete, dass das Ganze doch ziemlich schlecht funktioniere und wir doch einen Vertrag mit der Stadt hätten, sagte sie: Psst Signora, das ist eben Italien …

Phase 5: ?!

Endlich war die Metrostation Spagna wieder offen und wir wollten unser Guthaben auffüllen lassen.

Nach längerem Warten teilte man mir dann allerdings mit, dass meine Karte gesperrt sei. Ich solle doch bitte direkt bei Bike-Sharing anrufen. Das tat ich. Das Gespräch verlief so:

ATAC: Hallo.

Ich: Hallo. Ich wollte gerade meine Bike-Sharing-Karte aufladen …

ATAC: Da sind Sie hier nicht richtig.

Ich: … leider ist die Karte gesperrt.

ATAC: Ah, Moment, ich schaue mal nach.

Stille.

ATAC: Hallo. Ihre Karte ist gesperrt weil Sie im Minus sind. 93 im Minus.

Ich: Ah ja, das habe ich mir gedacht, wie können wir das jetzt machen.

ATAC: Sie gehen hin und bezahlen das, dann gebe ich Ihre Karte frei.

Mir dämmert plötzlich, dass er wohl nicht Cent meint.

Ich: Wie viel sagten Sie bin ich im Minus?

ATAC: 93 Euro.

Ich: WAS? DAS KANN NICHT SEIN!

ATAC: Doch. Sie haben am 14. August ein Fahrrad geholt und erst am 19. August wieder zurückgegeben.

Ich: …

ATAC: Hallo?

Erst war ich sprachlos und dann wütend: Was sollte ich denn fünf Tage mit einem Fahrrad? Nachdem ich dem Angestellten überaus deutlich gemacht hatte, dass ich das Fahrrad ganz bestimmt nicht fünf Tage ausgeliehen hatte, versprach er immerhin, sich darum zu kümmern. Das allerdings könne vier bis fünf Tage dauern. Obwohl ich noch eine E-Mail hinterhergeschickt habe: Heute ist Tag 14, gehört habe ich nichts …

Update Januar 2013: Keine Nachricht von Bike-Sharing bis heute, abhaken.

Übrigens gibt es auch römisches Car-Sharing. Nach unserem Erlebnis mit dem Bike-Sharing will ich mir gar nicht vorstellen, wie das läuft. Doch eine römische Freundin versichert: Das klappe richtig gut.

Info

Wer trotzdem mal einen Blick wagen will: www.bikesharing.roma.it

 

Fotos: Silvia & Joe Cavallucci

 

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