Blanca lebt seit drei Jahren mit ihrer Familie in Rom. Zum Frühstück geht die Schweizerin mit kroatischen Wurzeln am liebsten in die Bar Mizzica in der Nähe der Piazza Bologna. Dort treffen wir uns dann auch zum Frühstück und Blanca spricht über die Faszination des Colosseums, römische Frauen und warum sie das „Ciao cara“ vermissen wird.

 

Blanca, was machst du in Rom?

Ich lebe seit drei Jahren mit meiner Familie in Rom, da mein Mann beruflich hier ist.

Welches sind deine Lieblingsplätze in Rom?

Ich mag Morgensonne und die ist auf der Piazza del Popolo am schönsten. Ich setze mich auf eine Bank unter einen der schönen Männer (Statuen) und die Sonne geht hinter der Villa Borghese zwischen den Bäumen auf. In diesem Moment verbinde ich mich mit Rom und ich spüre die „ewige Kraft“ dieser Stadt.

Ich mag auch die verspielten Orte Roms. Zum Beispiel die Piazza della Minerva mit Berninis Elefanten. Der Elefant trägt einen Obelisken auf dem Rücken und stellt für mich eine Verbindung zwischen Leichtigkeit und Wissen dar. Der Elefant ist lebendig, offen, zum Spielen bereit. Er trägt soviel Wissen, aber auch eine Last. Es ist ein Ort des sowohl als auch.

Das Pantheon hingegen ist ein Ort der Stille und Besinnung. Und solch einen Ort braucht man in dieser Stadt, die ständig beschäftigt ist. Für Rom braucht man sehr viel Energie. Um Energie zu tanken, gehe ich morgens früh ins Pantheon. Meistens öffnet es gegen 8.30 Uhr, manchmal auch etwas später. Im Pantheon gehe ich gerne zum Grab von Raffael. Seine Kunst ist für mich unglaublich wichtig. Die Einführung der Dreidimensionalität war ein Qunantensprung in der Malerei. Auf Raffaels Grab steht die Inschrift: „Hier liegt Raffael. Die große Mutter Natur fürchtete, von ihm zu seinen Lebzeiten übertroffen zu werden und bei seinem Tode zu sterben.“

Überhaupt ist das Pantheon in seiner Architektur ganz besonders: So perfekt und achtsam, das haben wir im 21. Jahrhundert total verlernt. Es ist faszinierend, wie sie es früher geschafft haben, die Kräfte zu verbinden – auch ohne Computer.
Wenn es regnet ist es sehr speziell im Pantheon zu sein, ein zusätzliches Erlebnis.

Wo gehst du im Winter am liebsten hin?

Im Winter kann es in Rom manchmal ganz schön unangenehm sein, es wird nicht geheizt, die Türen in den Bars stehen offen. Ich lese gerne zum Frühstück die Zeitung und da habe ich ein Stück Frühstücks-Heimat im Café Tribeca in  der Via Mantova für mich gefunden. Es gibt viele verschiedene Teesorten, die Räume sind geheizt, man schließt die Türen, die Stühle sind bequem, es ist einfach gemütlich. Für Rom ein außergewöhnliches Cafe.

Und im Sommer?

Im Sommer fahre ich gerne ans Meer nach Fregene.

Für den Sommer habe ich einen Geheimtipp: In der Nähe der Stazione Termini ist das Hotel Radisson Blu. Dort gibt es eine herrliche Terrasse mit einem Pool. Wenn es sehr heiß ist, sollte man sich dort hinsetzen, eine Stunde auf den Pool schauen – man kann herrlich entspannen.

Gerade wenn es warm ist, nehme ich meinen Apertivio am liebsten bei „Panella“. Ein wunderbarer Ort dafür.

Und zum Eisessen empfehle ich die Bar Ciampini auf der Piazza San Lorenzo in Lucina. Sie haben ein wunderbares „Marrone Glaces“. Auch die Römer sagen: Das ist das beste der Stadt.

Was sollte man als Tourist in Rom unbedingt gesehen haben?

Das Colosseum! Runde Gebäude stehen für mich für die Unendlichkeit. Die Römer haben beim Bau an alles gedacht – unabhängig von der Grausamkeit der Spiele. Mich fasziniert zum Beispiel, dass sie in weniger als einer Minute das Colosseum mit seinen 60.000 Besuchern räumen konnten. Das Colosseum ist sehr mächtig und vereint alles: Es hat etwas vergängliches und doch bleiben Erinnerungen. Es ist Zerstörung und Neuenstehung.

Ich empfehle auch, das Museo Nazionale Romano zu besuchen. In den Wohnräumen von Livia mit den wunderschönen Fresken kann man sich vorstellen, wie die Römer gelebt haben.

Apropos, wie die Römer gelebt haben. Du warst vor kurzem bei einer Lesung  des Buches „101 donne che hanno fatto grande Roma“, zu deutsch „101 Frauen, die Rom groß gemacht haben“ das 2011 erschienen ist.

Ja, ein interessantes Buch und eine sehr interessante Lesung. Seitdem beobachte ich die Römerinnen sehr genau und habe fest gestellt, dass sie unter einem extremen Druck stehen. Die Figur muss stimmen, Diäten sind ein ständiges Thema, der Druck der ewigen Schönheit und Jugend. Alles ist nach außen gerichtet. Ich finde das sehr traurig. Manche Frauen gehen morgens ins Fitnessstudio, trainieren drei Stunden und nachmittags kommen sie wieder. Der Druck schön auszusehen ist unglaublich stark. Dazu natürlich Botox, unterspritzte Lippen …

Viele Touristen, Verkehr, Lärm gehören auch zu Rom dazu. Was stresst dich an Rom?

Am Anfang stand ich an der Bushaltestelle und konnte es nicht glauben, dass es keine Fahrpläne gibt. Ich kam aus der strukturierten Schweiz, wo der Bus auf die Minute pünktlich kommt. Als Kind las ich gerne Karl May und dachte, in Rom ist es wie bei den Indianern, man wartet auf Rauchzeichen.

Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist sehr mühsam: Morgens ist es so voll, es erinnert an Viehtransporte. Es gibt keinen Respekt etwa vor alten Menschen, alle drängen sich rein. Man steht nur da und kann sich nicht mehr bewegen.

Bei einem Streik fühlt man sich total hilflos. Einmal kam ich aus EUR und wollte nach Hause, da stand am Eingang der Metro ein Schild: Sciopero – Streik! Ich hatte fünf Euro in der Tasche, keine Kredikarte dabei, es war kalt und windig. Diese Hilflosigkeit war für mich neu. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, mich mit dem Unerwarteten, Unbekannten anzufreunden. Rom macht kreativ. Der Sympathikus tanzt von morgens bis abends, man ist immer zu allem bereit. Du musst wach und aufmerksam sein – im positiven Sinne. Rom ist eine paradoxe Stadt: Hast du es eilig, kommst du auf der Straße nicht voran, weil die Leute so langsam sind. Stehst du aber an der Bar, muss es zack zack gehen. Die Stadt ist voll von Gegensätzen.

Ich empfehle in Rom azyklisch zu leben: Am Morgen früh die Stadt zu besuchen bevor die Touristen kommen oder früh ans Meer zu fahren und um 15 Uhr wieder nach Hause. Um diese Zeit findet man auch einen Parkplatz. Von 13.30 bis 16 Uhr ist die Stadt ruhiger „quando i romani pranzano“, wenn die Römer zu mittagessen.

Du gehst bald wieder mit deiner Familie zurück in die Schweiz. Was wirst du nach drei Jahren Rom vermissen?

Die menschliche Wärme und dass man mich an der Bar sieht und weiß, was ich nehme. Das „Ciao cara, come stai“, das ist zwar oberflächlich, macht aber das Leben einfacher.

Ich werde den Himmel, das Licht, die wunderschönen Bäume vermissen. Die Pinien sind für mich Magie. Sie öffnen sich wie ein Fächer zum Himmel. Die werden in Rom speziell geschnitten, damit sich diese kelchartige Form bekommen – um Irdisches und Himmlisches zu verbinden.

In Rom sollte man …

… wie die Römer sein und einfach mitleben.

Verrate uns doch noch dein „Römisches Wort“:

„Che devo fa“ – das heißt so viel wie „na und?“.

Man hat was verpasst? Dann wird etwas Theater gemacht aber am Ende heißt’s:
„Che devo fa. Andiamo a prendere un aperitivo, va.“

 

Die Lieblingsplätze von Blanca

Bar Mizzica  – sizilianische Spezialitäten (Stadtplan, it)

Piazza del Popolo (wikipedia, dt)

Piazza della Minerva – Berninis Elefant (wikipedia, dt)

Pantheon – Rafaels Grab (flickr, dt)

Tribeca Cafe, Via Mantova (Infos folgen)

Ans Meer nach Fregene – Touristinfos & Karte (it)

Radisson Blu Hotel, google maps (Infos, ob man als Nicht-Hotelgast den Pool benutzen darf, folgen)

Museo Nazionale Romano – Villa Livia (wikipedia, dt)

Der Buchtipp für Italienischkundige

101 donne che hanno fatto grande Roma

 

 

3 Comments On This Topic
  1. Ron
    6 years ago

    „Endlich kann ich den Mund auftun und meine Freunde mit Frohsinn begrüßen. Verziehen sei mir das Geheimnis und die gleichsam unterirdische Reise hierher. Kaum wagte ich mir selbst zu sagen, wohin ich ging, selbst unterwegs fürchtete ich noch, und nur unter der Porta del Popolo war ich mir gewiß, Rom zu haben…“

  2. CiaoRoma › 11 Dinge, die jetzt glücklich machen › Rom-Blog: Reisen, Tipps, Menschen, Infos
    6 years ago

    […] Warum man das vermissen kann: Morgensonne auf der Piazza del Popolo […]

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