Der Trevibrunnen ist einer meiner Lieblingsplätze in Rom. Seit diesem Sommer ist das herrliche Wasserrauschen allerdings verstummt, der Brunnen wird saniert. Warum sich ein Besuch trotzdem lohnt.

 

Trevibrunnen in Rom

Eingezäunt – mit neuer Perspektive.

 

Am liebsten komme ich spät abends zur Fontana di Trevi, hole mir ein Eis und setze mich auf die Treppenstufen oder auf das Geländer und beobachte. Menschen aller Nationen versammeln sich vor diesem Brunnen, werfen Münzen hinein, fotografieren sich dabei, posieren, lachen und versuchen einen Platz weit vorne zu ergattern. Das Gedränge ist groß, zu beobachten gibt es allerhand.

Zum Beispiel Hochzeitspaare, die mit ihrer Entourage von Fotografen, Kameraleuten und Trauzeugen zum ausgiebigen Fotografieren vorbeikommen. Menschen, die versuchen ein gelungenes Selfie von sich und dem Brunnen zu machen. Menschen, die Wildfremden ihr iPhone oder ihren Fotoapparat in die Hände drücken und bitten, ein Foto von sich und dem Brunnen zu erhalten.

Man kann die „mobilen Fotografen“ beobachten, wie sie versuchen, etwas Geld abzusahnen (zum Beispiel bieten sie an, ein Foto zu machen und wollen dann Geld für diese Dienstleistung oder sie bieten an, für fünf Euro ein Polaroidbild zu erstellen und machen dann gleich zwei, das kostet dann zehn Euro …).

Man kann die Rosenverkäufer beobachten, die mit ihren ganz eigenen Tricks ihr mehr oder weniger erfolgreiches Geschäft betreiben und einmal sah ich, wie ein besoffener Holländer sich bis auf die Unterhosen auszog, um es Anita Ekberg gleichzutun und ein Bad im Brunnen nahm. Lang dauerte dieses Bad nicht, denn die immer anwesenden Carabinieri zogen den Betrunkenen aus dem Wasser und führten ihn ab. Auch wenn die Strafe teuer ist: Ich hatte mir auch schon überlegt, ob sie nicht das einmalige Erlebnis wert wäre …

 

Münze trotzdem werfen

 

Und in diesem Sommer gab es nichts von allem. Der Brunnen ist umzäunt und wird restauriert. Rom wäre aber nicht Rom, wenn die Stadtverwaltung sich nicht etwas hätte einfallen lassen. So gibt es nun einen Laufsteg, der über die Baustelle führt und die Besucher so nah an Neptun und seine Genossen herankommen lässt, wie es mit einem wassergefüllten Brunnen niemals möglich wäre. Damit das alles geordnet abläuft, muss man sich rechter Hand in eine langen Schlange einreihen, denn der Laufsteg muss von rechts nach links überquert werden. Dies wird von einem strengen römischen Carabiniere beobachtet und geordnet. Von wegen, jeder macht wie er will …

Durch den Brauch und den Aberglauben, man kehre in die Stadt zurück, wenn man hier eine Münze mit der rechten Hand über die linke Schulter wirft, kommen täglich über  3.000 Euro zusammen. Das Geld wird der Caritas für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt.

Damit das Geld nicht mit dem Wasserfluß stoppt, gibt es nun ein kleines Becken, vor dem sich Japaner und die übrigen Touristen drängen und versuchen, eine Münze hineinzuzielen. Rückwärts versteht sich. Das meiste Geld landet daneben, zurückkommen dürfen sie wohl trotzdem.

Die Restaurierung wird von der Modekette Fendi gesponsort und soll noch bis nächstes Jahr dauern. Erst dann wird wieder dieses unglaublich entspannende Geräusch des strömenden Wasser zu hören sein. Eines ist sicher: Sobald der Brunnen saniert ist, kaufe ich mir ein Eis und setze mich auf die Stufen. Es gibt sicherlich wieder viel zu beobachten.

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Fotos zum Vergrößern bitte anklicken (Copyright: Joe Cavallucci)

Mehr zum Trevibrunnen auf CiaoRoma

Wussten Sie schon, …

 

Fotos: Joe Cavallucci
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3 Responses to Baustelle Fontana di Trevi

  1. […] (… und hoffentlich bald wieder: Dem Rauschen des Fontana di Trevi lauschen. Schon das Geräusch des Wasser erfrischt. Ist im Moment allerdings immer noch eine Baustelle). […]

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