Mit Interesse haben wir im Sommer den Umbau dieses kleinen, efeuumrankten Hauses in Monti verfolgt. Jetzt führt Domenico De Donno darin seine kleine Gastronomie „La Cassetta“. Sein Traum: Autofreie Jazz-Sessions vor der Haustür. Mit Bildergalerie.

 

Schmuckstück in Monti: Das neu renovierte "La Cassetta".

Schmuckstück in Monti: Das frisch renovierte „La Cassetta“.

 

Domenico De Donno war jahrelang Manager für eine deutsche Firma, flog monatlich Richtung Münster. Zum Inhaber dieses wunderschönen kleinen Cafès – oder der „kleinen Gastronomie“ wie er es selbst nennt – wurde er  durch seine Tochter. Während vor uns auf dem Tischchen der leere Kaffeebecher steht und Krümel an ein leckeres Cornetto erinnern, erzählt er davon, wie ihn seine Tochter vor vielen Jahren auf den Blumenladen in diesem Haus hinwies und sagte, so ein Haus möchte sie einmal haben. Nun hat die Innenarchitektin daraus ein Schmuckstück gemacht. Denn in diesem Jahr stand das Häuschen zum Verkauf.

Modrig, feucht, heruntergekommen – ein Haus aus dem 14. Jahrhundert, wer wollte so etwas kaufen? Richtig: Domenico und seine Tochter Germana. Innerhalb von drei Monaten bauten sie es um, schleiften Türen ab, sanierten, trockneten was ging. In diesem Haus, erzählt er stolz, habe man vor vielen Jahren das Bildnis der Madonna dei Monti gefunden, das berühmte Gemälde der Schutzpatronin Montis. Das Gemälde ist in der  schräg gegenüber stehenden Kirche „Madonna dei Monti“ zu sehen. Ein besonderes Haus also, das mussten sie einfach retten.

Seit sie mit dem Umbau fertig sind, setzt Domenico seine Manager-Kenntnisse für das „La Cassetta“, zu deutsch: Das Häuschen, ein. Er unterhält sich gerne mit seinen Gästen und hat Visionen: Den Platz davor von den Motorini befreien, die Autos weg, abends soll Jazz gespielt werden, Künstler und Gäste sollen sich treffen. Er will damit einen Beitrag leisten zum Quartier und zur Kunst. „Die Kirche Madonna dei Monti ist gegenüber, auch die Uni für Architektur. Dies ist ein besonderer Platz. Und ich möchte, dass es der schönste von Monti wird.“

Überhaupt Monti: Die Nähe zu den Fori Imperiali und zum Colosseum. Er wolle Monti zum  schönsten Stadtteil Roms werden lassen. Da sei aber noch einiges zu tun: Die Vigili habe er schon gerufen, aber die interessieren sich nicht für die Fahrzeuge, trotz Parkverbot. Einen Brief an Roms Bürgermeister Marino hat er geschrieben. Ihm darin von seiner Vision berichtet. Ob der Bürgermeister darauf antworte, müsse man nun sehen.

In seiner „kalten“ Gastronomie serviert Domenico Frühstück mit Säften, zum Mittag- und zum Abendessen gibt es Salate, auch Obstsalat, leckere Quiches, Knabbereien wie Nussbrötchen mit Schinken und Käse, Käse- und Salumiplatten, Schiacciate – eine Art belegte Ciabatta, die übrigens aus dem Antico Forno aus Trastevere stammen. Die führt nämlich sein Schwiegersohn Sergio. Das Antico Forno habe ich hier schon vorgestellt und dass ich nun den Schwiegervater kennenlerne, ist tatsächlich ein Zufall.

Die Stühle mit den Einzeltischen, die ein bisschen an Schulpulte erinnern, sind außergewöhnlich und sehr bequem. Die hat Tochter Germana designt. Man kann die Tischchen kaufen – in ihrem Laden um die Ecke. Über der Gastronomie gibt es noch eine kleine Ferienwohnung: Die hat sie ebenfalls durchgestylt und mit zahlreichen liebevollen Details ausgestattet: Ein Waschbecken aus Stein in der Küche auf den Tisch montiert, eine kleine Brücke, die man erst einmal herunterlassen muss, um ins Bad zu gehen. Mieten kann man die Wohnung, für 120 Euro die Nacht.

Meine letzte und obligatorische Frage an jeden Rom-Bewohner ist die Frage nach dem Lieblingsplatz. Domenico sagt: „Zum Essen? Da gehe ich am liebsten ins ‚Grazie a Dio e venerdi‘“. Das ‚Danke Gott, es ist Freitag‘ ist Restaurant und Pizzeria und ebenfalls in Monti. Domenico kommt nicht nur bei der Pasta Amatriciana und der Carbonara ins Schwärmen. Auch die Pizzen seien sehr lecker, das Personal entspannt. Ein Platz, wie ihn die Römer lieben.

Mittlerweile hat Domenico die Krümel vom Tisch gewischt, die Kaffeebecher entsorgt und wartet auf Mittagsgäste. Wir ziehen für heute weiter, werden aber sicher bald wieder auf einen Kaffee vorbeischauen.

Geöffnet: Unter der Woche: 8.30 – 21.30 Uhr, am Wochenende: 8.30 – 24 Uhr

Info & Bildergalerie

Gastronomie & Ferienwohnung “La Cassetta”
Via Madonna dei Monti, 62, Roma
Tel. 0039 – 06 – 482 7756
E-Mail: lacasetta.ddd@gmail.com

Zum Start der GALERIE auf ein Foto klicken.

Mehr Tipps zum Essen gehen

Im Antico Forno zu Mittag essen
Lieblingsplatz: Caffè Capitolini
M
ach’s wie die Römer. Der Aperitivo
Café mit Fischbrunnen
Süßes von Nonna Vincenza
Eataly!

 

Fotos: Silvia & Joe Cavallucci
2 Comments On This Topic
  1. CiaoRoma › Römische Brotkunst und leckeres Essen bei Panella › Rom-Blog: Reisen, Tipps, Menschen, Infos
    4 years ago

    […] Kleine Gastronomie mit Visionen […]

  2. CiaoRoma › Blick aus meiner Frühstück-Lieblingsbar in Rom › Rom-Blog: Reisen, Tipps, Menschen, Infos
    4 years ago

    […] Kleine Gastronomie mit Visionen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.