Vom Model zur Modemacherin. Anna Neudecker ist in Rom aufgewachsen und hat gemeinsam mit Cecilia Benedetti vor vier Jahren Mononoke gegründet. Das Label steht für kreative Vintage-Mode und stilvolle Accessoires. Über Mode, Modeln, Mononoke. Lieblingsplätze: Monti und Piazza Trilussa in Trastevere.

 

 

Anna, wir sind hier auf dem Mercatomonti, ein Markt mit Angeboten unter anderem von jungen Designern im Stadtteil Monti. Was macht ihr genau?

Wir machen Kleidung, Taschen, Hüte und Accessoires. Die Seidenblusen, Seidenhemden, Seidenröcke die wir hier verkaufen, finden wir auf den Vintage-Märkten der Stadt und ändern diese ab. Wir zeichnen etwas drauf, arbeiten die Teile um, machen Sie moderner, passen sie an oder machen etwas ganz Neues daraus.

Die Taschen und Hüte sind aus Stoffen, die wir aus Paris oder München mitgebracht haben. Alles ist handgearbeitet. Mit unserer Linie Second Chance möchten wir bereits vorhandenen Sachen eine zweite Möglichkeit geben und sie wiederverwerten.

Für den Markt machen wir bezahlbare Mode. Bis August hatten wir ein Atelier in Frascati, dort verkauften wir vor allem handgefertigte, aufwändig verarbeitete Seidenkleider, auch für besondere Events.

 

 

Was macht eure Sachen besonders?

Alle Sachen, die wir hier auf dem Markt verkaufen, gibt es nur einmal, es sind Einzelstücke. Man wird dieses Stück kein zweites Mal sehen. Bei den Größen muss man allerdings Glück haben.

Ihr habt sehr faire Preise.

Das war von Anfang an unsere Philosophie, denn ich würde mir meine Sachen auch gerne kaufen können. Wir rechnen genau aus: Wie lange haben wir gebraucht und was hat das Material gekostet.

Auf dem Markt verkaufen wir Sachen, die sich auch junge Frauen ohne viel Geld leisten können. In Frascati hatten wir eine andere Kundschaft, die mehr Geld hatte aber auch weniger experimentierfreudig war. Hier in Monti sind die Leute interessanter und aufgeschlossener.

Wir machen auch Hochzeitskleider. Ein bis zwei Wochen sollte mir die Braut Zeit geben, dass ich eine Skizze anfertigen kann und dann mache ich ihr einen Vorschlag, wie das Kleid aussehen soll. Wichtig ist für uns dabei allerdings die kreative Freiheit. Das Kleid kann dann auch mal rot oder schwarz sein, klassische Hochzeitskleider machen wir nicht.

 

 

Du bist auch Stylistin, da sind nicht nur die Bräute in guten Händen.

Ich bin Stylistin für Videoclips, aber man kann mich auch als Personalshopper buchen. Das ist auch unser Motto: Facciamo uno stile. Wir machen einen Stil. Bei uns kann man sich vom Kopf bis zu den Füßen einkleiden.

 

 

Du hast auch schon als Foto-Model gearbeitet. Wie kamst du dazu?

Als ich 15 Jahre alt war, hat man mich auf der Straße angesprochen. Ich habe das dann acht Jahre lang gemacht, aber es war überhaupt nicht meins. Ich arbeite lieber hinter der Bühne als Modedesignerin oder Stylistin.

Kennt man dich aus einer Werbung?

Ich habe für Ethik gearbeitet und auch für Bulgari. Manche Leute kennen mich aus der Fernseh-Serie „Chef per un giorno“, einer Reality-Show bei der ein VIP für Leute kocht.

 

 

Cecilia und du, ihr habt euch auf der Modeschule kennengelernt und gemeinsam vor vier Jahren euer Label gegründet. Woher kommt der Name Mononoke?

Den hat Cecilia aus einem japanischen Zeichentrickfilm von Miyazaki. Der Name gefiel uns gut und sieht auch optisch sehr schön aus, so entschlossen wir uns, uns so zu nennen. Einige Zeit später schauten wir im Internet nach, was er eigentlich bedeutet. Da kam es raus. Es heißt: Seele in den Sachen. Wir haben vor Freude getanzt. Denn genau das ist es, was wir machen. Wir arbeiten mit ganz viel Liebe und Enthusiasmus.

 

 

Ist Rom eine Mode-Stadt?

Rom ist ziemlich provinziell. Rom ist die Stadt des Fernsehens und des Kinos. In Rom gibt es Cinecittà und die besten Schauspiel-Schulen. Mailand hingegen steht für Mode und Musik.

Aber für die römischen Frauen ist Mode doch sehr wichtig.

Die römischen Frauen lassen sich in drei Kategorien einteilen: Frauen, denen Mode ganz egal ist. Sie ziehen einfach irgendwas an. Dann gibt es die sportlichen Römerinnen mit Jogginghose und Turnschuhen und als drittes die ganz, ganz schicken Frauen, die meist im Zentrum wohnen und in den Boutiquen einkaufen. Die jungen Frauen kaufen bei H&M und Zara ein und tragen alle das Gleiche.

In Rom kann man nicht ein bisschen verrückter sein – schick zu sein ist ok.

 

 

Du bist mit deinen Eltern nach Rom gekommen, als du ein Jahr alt warst. Du kennst die Stadt also schon dein ganzes Leben. Was ist dein Lieblingsplatz?

Mir gefällt der Stadtteil Monti am besten. Man holt sich ein Bier und setzt sich mit seinen Freundinnen an die Tre Scaline, den Treppenstufen am Brunnen. Das ist das Schöne an Rom: Man kann sich draußen mit Freunden treffen und sich irgendwo hinsetzen.

Auch die Piazza Trilussa in Trastevere eignet sich dafür. Dort sollte man aber auch unbedingt in die Bar San Callisto gehen. Das ist eine Bar, die es schon über 60 Jahre gibt. Die Tradition ist noch erhalten und es kommen viele interessante Leute hin. Eine Besonderheit der Bar ist, ein Eis noch für 50 Cent zu verkaufen. Das gibt es sonst nirgends mehr.

Du hast auch ein Kind. Was kann man denn an einem Sonntagnachmittag in Rom unternehmen?

Am besten, man fährt in einen Park oder geht in den Zoo. Der Zoo in Rom ist aber nicht zu vergleichen mit dem in München zum Beispiel.

Die Villa Doria Pamphili oder auch die Villa Ada sind sehr schön. Aber Achtung: Sonntags gehen alle Römer in die Parks. Es kann dann wirklich sehr voll sein.

Mononoke

Wer sich für die Mode von Anna und Cecilia interessiert, hat folgende Möglichkeiten:

  • Den Mercatomonti besuchen (Info siehe unten)
  • Die neuen Arbeiten werden laufend auf Facebook gepostet. Bei Interesse können die Sachen entweder beim baldigen Rom-Besuch anprobiert oder per Post gegen Vorkasse zugeschickt werden.

www.facebook.com/Mononoke.Lab
www.mononokeshop.com

Mercatomonti

Verkauft werden: Kleidung, Accessoires, Schmuck, Einrichtungssachen von noch unbekannten Designern, exklusiv, selbstgemacht. Der Markt findet an den ersten drei Sonntagen im Monat von 10 – 20 Uhr in der Via Leonina 46 statt. Eintritt ist frei.

www.mercatomonti.com

Hinkommen: Mit der Metro B bis Cavour

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