Die Insel Ponza, so hatte ich gehört, besuchen vor allem Römer und Neapolitaner. Bei Deutschen ist die Insel so gut wie unbekannt. Also von Rom aus hingefahren, nachgeschaut und festgestellt: Die Italiener wissen, wo es schön ist.

 

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Ponza in Sicht.

 

Die Schönen und Reichen haben Ponza schon lang entdeckt. Hier lagen bereits die Yachten von Michael Douglas, Naomi Campbell, Totti, Caroline von Monaco, Monica Bellucci … und nun auch wir.

Pontius Pilatus, der Verräter Jesus, soll auf der Insel gelebt haben, von daher stamme der Name, so will es eine Legende. Eine andere Version lautet, dass Ponza von Pontium, von lateinisch Brücke, komme, da die Insel früher mit dem Festland verbunden war.

Egal aber, woher der Name etymologisch nun stammt, die Insel ist eines: Wunderbar.

Ankommen

Als wir nach einer Stunde und zwanzig Minuten von Anzio aus mit dem Schnellboot im Hafen ankommen, werden wir erst einmal kräftig ausgebremst. Das Tempo ist hier deutlich verlangsamt. Schon beim Verlassen der Fähre umfängt uns die Entspanntheit der Insel und wir merken: Auf Ponza hat man Zeit. Und wer denkt, er hat keine, wird sie sich nehmen. müssen.

Sicherlich mit ein Grund, warum die gestressten Städter aus Rom und Neapel die Insel lieben.

 

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Andere Farben. Anderes Tempo.

 

Wir werden mit der Ankunft also quasi gezwungen, uns auf das, was vor uns liegt, zu konzentrieren. Nämlich auf Meer, Wind und Sonne und auf das Abenteuer, eine neue Insel zu entdecken. Und das Abenteuer wartet bereits. Wir nehmen ein Taxi am Hafen bei einem der Taxifahrer mit Namen wie Terminator oder Super Peppe, alte Herren, die an ihren Wagen lehnen und an Lässigkeit nicht zu überbieten sind.

Unser Fahrer, ein betagter Herr mit gekrümmten Rücken, arthritischen Händen und einem Hörgerät biegt langsam von der Hauptstraße ab und fährt uns den Berg hinauf zu unserer Unterkunft. Umso schöner der Blick auf den Hafen wird, umso verwinkelter die Ortschaft – umso steiler wird die Straße. Und von wegen betagter Herr, ein alter Fuchs fährt uns hier, einer, der seine Insel kennt! Das Fahrzeug setzt mit röhrendem Motor dazu an, eine Steigung zu erklimmen, die mir im Auto hinten das Gefühl gibt, gleich rückwärts wieder den Berg herunter zu kippen. Ich kralle mich in den Kopfstützen der Vordersitze und atme nur noch ganz flach: Ich mache mich leicht, damit das Auto diese Steigung schafft. Der Herr hat ein lockeres Grinsen auf den Lippen, ich hingegen stelle beim Aussteigen fest, dass ich Gummibeine habe.

Später sehen wir, dass Rillen in die Straße geschlagen sind, damit die Autos und auch die Fußgänger die Steigung überhaupt packen. Noch spannender wird es, als wir mit dem gemieteten Roller die Straße hinaufheizen, nach vorne gebeugt und mit einem Stoßgebet auf den Lippen …

Unsere Unterkunft: Ein kleines Häuschen mit Küche, Terrasse und unglaublichem Blick auf den Hafen und die Insel, der für den steilen Auf- und Abstieg entschädigt. Schnurrender Katzen- und wedelnder Hundebesuch inbegriffen.

 

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Wohnen mit Blick auf den Hafen und italienisch sprechendem Katzenbesuch.

 

 

Tag eins, Strandtag mit Ausblick und Unterwasserausstellung ((ent)spannend)

Wir fahren vom Hafen mit dem Fährboot zum Strand Frontone, mit einer langen Sandbucht und einer ruhigen Ecke auf den Felsen. Auf den Felsen mit Blick auf die Bucht und das unverschämt schöne Wasser, lassen wir uns eine Liege geben und wissen sofort: Hier wollen wir nicht mehr weg.

Nachmittags treibt uns dann aber doch der Hunger und die Neugier auf das Restaurant oberhalb der Bucht die Steiltreppe hinauf. Und werden mit einem unglaublichen Ausblick belohnt! Wir haben schon von diesem Restaurant gehört: Gerardo führt diesen wunderbaren Platz mit seiner Frau, die drei Söhne springen herum.

Hier oben hat er sogar ein Museum mit Fotos, Arbeitswerkzeugen und Erinnerungen an seine Großeltern und an das historische Ponza eröffnet, das einen interessanten Einblick in ein längst vergangenes Italien gibt. Vielgerühmt und wirklich lecker ist die Linsensuppe, die man unter vielem anderen hier hoch über der Bucht serviert bekommt.

 

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Wer am Strand von Frontone ist, muss einfach die Steinstufen zu Gerardo hochsteigen und die Linsensuppe probieren! Und natürlich den Ausblick genießen.

 

Am Ende der Speisekarte finden wir Dankesbriefe, über das Glück, dass es diesen Ort gibt. Auch wir danken satt und glücklich.

Später am Nachmittag kehren wir zurück an den Strand und sehen uns beim Schwimmen eine Ausstellung an. Ja, richtig gelesen. Ein Fotograf der Insel zeigt am Strand von Frontone Portätaufnahmen aus Thailand unter Wasser. Im Kreis sind die rund 30 Fotos angeordnet, am Boden so festgemacht, dass man beim Drüberschwimmen in die Gesichter der Menschen schaut. An der Wasseroberfläche weist eine gelbe Boje mit einer kleinen Flagge auf die Stelle hin. Meine erste Ausstellung, die ich im Bikini und mit Schwimmbrille besucht habe.

 

Tag zwei, Inselrundfahrt mit Motorboot (aufregend)

Der Himmel ist grau, die Luft schwül. Scirocco, sagen die Insulaner und schauen etwas genervt. Der Scirocco ist ein heißer Wind, der aus Afrika kommt und oft Sand mit sich bringt. Die Sicht ist schlechter, der Wind stärker, das Meer welliger als gestern.

Heute geht’s zum nächsten Abenteuer: Haben uns ein Boot reserviert, ein gommone, wie Schlauchboot so schön auf italienisch heißt. Ein Schlauchboot mit 45 PS. Ich bin schon etwas aufgeregt. Beim Verleih gibt uns Summit eine kurze Einweisung: „Kein Problem, das Boot fährt sich wie ein Motorino.“ Und zur Beruhigung: Auf der anderen Seite der Insel sei kein Wind, das Wasser ruhig. Nur, da müssen wir erst mal hinkommen. Wir starten und schippern vorsichtig durch Wellenberge auf und ab, müssen aufpassen, dass unser Gepäck nicht runterfällt.

 

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Il capitano.

 

In der nächsten Bucht übe ich erst mal: Vorwärts fahren, rückwärts, anhalten, Gas geben und ich merke, die Sache fängt an, Spaß zu machen. Riesenspaß. Wir fahren weiter, biegen vorsichtig in felsige Buchten ein, schauen gebannt auf die wechselnden Farben des Meeres, sehen ganz weit oben den Leuchtturm und sind froh, nicht auf einem der vollbesetzten Touristenboote mit den lauten Durchsagen zu sitzen. Leider ist der Himmel noch immer sciroccograu, aber hin und wieder lässt ein Sonnenstrahl das Meer aufleuchten.

Unser Mittagspausenstopp machen wir etwas zögerlich in der Bucht Chiaia di luna. Sieht erst mal nicht so verlockend aus. Der Strand ist leer und etwas verwahrlost. Eine steile Wand ragt über der Bucht auf und das ist, wie ich später erfahre, auch der Grund für die Leere, ein trauriger Grund. Eine junge Touristin wurde 2001 von herabfallenden Steinen so schwer verletzt, dass sie starb. Seitdem hat die Gemeinde den Strand gesperrt. Auch der aus der Römerzeit stammende Tunnel, der von der Straße zum Strand führt, ist baufällig. Nur vom Boot aus, kann man hier sicher ins Wasser. Die riesigen Netze und langen Drahtseile, die zur Sicherheit angebracht wurden, lassen den Strand ziemlich traurig aussehen.

Der Vorteil des gesperrten Strandes: Nur ein paar Yachten und Boote liegen im türkisfarbenen Wasser, es ist so still, wir hören nur das Gluckern des Wassers.

Das Wasser ist so klar, dass wir den fein gewellten Sandboden sehen, so verlockend, dass wir direkt vom Boot aus reinspringen. Nach dem Schwimmen lassen wir uns von den Wellen sanft schaukeln.

Nach einer Weile kommt ein weiteres gommone, ankert direkt neben uns und das Paar tauscht sich lautstark auf italienisch aus. Leider scheint das unvermeidlich. Italiener werden magisch davon angezogen, da hinzugehen, wo andere sind. Da muss es gut sein, sagen sie sich, da müssen wir auch hin.

Aber nach einer Weile lullt auch sie das Meer ein und als dann – endlich! – die Sonne herauskommt, sitzen wir alle nur und staunen über die Schönheit des Felsens, die Farbe des Wassers, genießen die Wärme und lassen uns weiter wiegen.

 

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Die Bucht „Chiaia di luna“ mit Blick auf die schönere Seite. Die andere Seite ist mit Netzen und Drahtseilen gesichert.

 

Fast wären wir hier nicht mehr wegekommen, aber dann fahren wir doch weiter, entdecken weitere Buchten und Felsformationen dieser rund zehn Kilometer langen Insel, die vulkanischen Ursprungs ist. Wir werfen den Anker und springen ins Wasser, wo es uns gerade in den Sinn kommt und tuckern langsam an Steilwänden vorbei.

Abends brause ich mit maximaler Geschwindigkeit in den Hafen zurück und habe heute nicht nur einen wunderbaren Tag geschenkt bekommen, sondern auch ein neues Fortbewegungsmittel erobert. In Zukunft gehört ein Boot mit in unser Strandrepertoire.

 

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Fast-Sonnenuntergang mit Blick auf Palmarola. Die Nachbarinsel ist nur im Sommer bewohnt.

 

Zum Sonnenuntergang haben wir uns das Restaurant mit dem passenden Namen ausgesucht: Il tramonto. Leider ist die Sonne schon unter gegangen, aber wie man uns gerne versichert, war heute der Sonnenuntergang doch eher unspektakulär. Aber auch ohne Sonnenuntergang ist der Blick von der Terrasse spektakulär. Man schaut im Dämmerlicht auf die Nachbarinsel Palmarola, sieht im Hafen von Le Forna (dem zweiten Ort der Insel) die Lichter angehen und die Welt ist verzaubert.

Ich kann das alles aber erst einmal gar nicht so richtig aufnehmen. Denn plötzlich beginnt die Terrasse zu schwanken. Von rechts nach links und wie. Der Tisch bewegt sich ebenfalls, ich brauche etwa zwei Stunden, bis sich mein Gleichgewichtsorgan beruhigt und merkt: Hallo, wir sind nicht mehr auf dem Boot. „Landkrankheit“ nennt man das, ein Stadium der Seekrankheit. Auch eine interessante Erfahrung.

Das Essen im Il Tramonto: Gehobene, kreative Küche, die Basis ist wie überall Fisch, wir rollen danach den Hügel bis zu Bushaltestelle herunter und warten mit Blick auf die Sterne, dass uns der regelmäßig fahrende Inselbus aufsammelt und uns wieder nach Ponza in den Hafen bringt.

 

Tag drei, Scirocco und Quallen (was soll’s)

Heute wollen wir gar nichts machen, nur die Eindrücke verarbeiten und uns im Meer rumtreiben.

Der Himmel am morgen bleiern, macht nichts, denken wir, wir trotzen dem Scirocco. So einfach ist das aber nicht. Kein Boot sagt man uns am Hafen, fahre in Bucht, das Meer zu wild, da könne man nicht anlegen in Frontone.

Wir sind etwas ratlos, erfahren dann aber, dass wir den Bus nehmen und zu Fuß zum Strand hinunter können. Das machen wir und trainieren damit wieder einmal unsere Wadenmuskeln. Dafür sind wir fast allein am Strand, der Wind allerdings nervt ein bisschen, das Meer ist aufgewühlt. Beim Schwimmen treffe ich dann auch noch auf eine herangespülte Quallenkolonie und werde fies genesselt. Der bagnino, der Bademeister, zuckt nur mit den Achseln: Stellen mit Süßwasser abwaschen und mit Sand abreiben oder auf einen heißen Stein legen, das vergeht wieder.

Macht nicht so wirklich Spaß. Wir lassen den Strand gut sein und nehmen einen Apertivo mit Blick über den Hafen. Und alles ist gut.

 

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Alles echt, ohne Filter fotografiert.

 

 

Tag vier und fünf, mit dem Motorino um die Insel (yippieh!)

Wir leihen uns ein motorino, das röhrt wie ein alter Hirsch. In Rom muss es eine stilechte Vespa sein, hier tut’s ein Japaner, denn wichtig ist, die Steigung zu nehmen. Wir düsen über die Insel besuchen den Ort Le Forna, lassen uns in einem kleinen Laden herrliche Brötchen richten und entdecken für uns den Strand Cala fonte, die Quellenbucht.

Ein kurzer Abstieg über Treppen, ein kleiner Kiosk, ein überschaubarer Naturhafen in den Felsen und ein Wahnsinns-Ort für ein paar Stunden Total-Entspannung. Das beste hier: Man kann sich für 2 Euro (hin und zurück) auf eine kleine Felsvorlagerung bringen lassen und sich dort eine Liege nehmen.

 

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Der Chef stellt unsere Liegen so nah ans Wasser, das wir nur die Weite des Meeres vor uns haben. In diesem Wassser zu schwimmen ist ein Riesenglück: So klar, kleine Fischschwärme ziehen vorbei, vorne eine Kante, wo sich das Meer in eine unendliche Tiefe verabschiedet und so blau wird, dass ich keinen passenden Ausdruck dafür finde. Es ist so unglaublich perfekt, ich nuss nochmal und nochmal hinschwimmen.

Wenn man möchte, braucht man dem Chef nur zu winken, Kaffee oder Brötchen werden auf die kleine Insel gebracht, alles im Dienste des großartigen, entspannten Lebens.

 

Tag sechs und sieben, Verlängerung (hach …)

Haben spontan verlängert und genießen unerhörter Weise noch zwei Tage mehr Meer, Strand, Schwimmen, Brötchen und die Wärme (der Scirocco ist hartnäckig).

Am Sonntag nehmen wir die letzte Fähre, die nach Anzio geht und damit auch die letzte Fähre der Saison, die nach Anzio geht. Die Fähre ist voll besetzt, die Römer haben nach dem „verrückten Sommer“ (zu kalt, zu viel Regen) auch noch einmal Sehnsucht gehabt nach Sonne. Uns fällt es verdammt schwer, die Insel zu verlassen, wir haben mal wieder einen Platz gefunden, der sich in unser Herz geschlichen hat. Vielleicht auch deshalb, weil der Platz uns gezwungen hat, langsam zu werden, zu schlendern, den Rhytmus zu ändern.

Grazie Ponza.

 

Infos – Anreise – Wohnen – Essen

Die Pontinischen Inseln sind eine Inselgruppe im Tyrrhenischen Meer, zu der neben Ponza, Palmarola, Gavi, Zannone, Ventotene und Santo Stefano gehören. Insgesamt leben um die 4.000 Menschen auf den Inseln. Die Inseln liegen südlich von Rom.

Hinkommen: Mit dem Zug von Rom nach Anzio oder Formia, mit dem Auto nach Terracina, von dort mit den Fähren weiter. Fährpläne, Anreisehinweise und nützliche Infos gibt es unter: www.ponzaviaggi.it (auch auf deutsch).

Schlafen: Wir haben in der Villa Pina übernachtet. Die Villa Pina hat Appartements, mit kleiner Terrasse davor. In der Hauptsaison, wenn alle Zimmer belegt ist, könnte es je nach Nachbarn etwas unruhig werden, da sich Terrasse an Terrasse anschließt.

Wir hatten ein Extra-Häuschen gemietet, die Cassetta di Sofia. Kostet etwas mehr, dafür ist man ungestört. Nachts hört man nur die Grillen zirpen und Eicheln aufs Dach fallen.

Essen gehen: Das Il Tramonto hat einen tollen Blick auf Palmarola, den Hafen von Le Forna und auf den Sonnenuntergang. Preislich gehoben.

Auch lecker, mit einer schönen Terrasse: Das Ristorante Monte Guardia mit Blick auf den Hafen von Ponza. Preislich etwas günstiger als Il Tramonto, Spezialität hier: Die Meeresfrüchte-Antipasti des Hauses.

Hinweis: Im Juli und August ist die Insel überlaufen. Im September hat Ponza genau die richtige Mischung zwischen Ruhe und doch noch was los.

Mehr drumherum, das einen Ausflug lohnt

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Fotos: Silvia
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