Von Pilgermassen, Blaulicht und kostenlosem „heiligen Wasser“.

 

Aqua Santa di Roma – in der Stadt wird kostenlos „Heiliges Wasser aus Rom“ verteilt.

 

Eine Million angereiste Gläubige sollen sich am Samstag mittag bereits in der Stadt befinden. Jede Gasse ums Colosseum herum ist verstopft, hinter jeder Säule kommen Menschen hervor, die meisten mit roten Gesichtern und angestrengtem Blick. Es ist viel wärmer als die Wettervorhersage angekündigt hat. Die Sonne ist schon im Sommermodus. Die Straßenhändler reagieren schnell: Heute verkaufen sie Sonnenhüte statt Regenschirme, für Pilger im Erwartungsrausch.

Vor allem Gruppen wandern durch die Stadt. Ältere Herrschaften mit gleichfarbigen Mützen oder Schals, damit sie im Falle des Verlorengehens schnell wiedergefunden werden können, Jugendgruppen mit großen Rucksäcken und baumelnden Isomatten.

 

Hohe Preise und kostenloses Wasser

 

Zimmer gibt es nur noch wenige und wenn, dann kosten sie das Vielfache des normalen Preises. In Bars, Supermärkten und Restaurants sind große Schilder angebracht: Wir haben auch am Sonntag, 27. April 2014, geöffnet. Jeder will von diesem „planetarischen Event“, so Bürgermeister Marino, profitieren. Verständlich, Italien ist in der Krise und wenn nun hungrige und durstige Menschen in solchen Massen durch die Stadt strömen, schließt man nicht den Laden und legt die Beine hoch.

Eine Getränkefirma lässt eine Sonderedition von vier Millionen Gratis-Wassserflaschen in der Stadt verteilen: Acqua Santa di Roma, Heiliges Wasser aus Rom (das Wasser gibt es immer, nicht nur zu diesem speziellen Anlass …).

Einige nutzen die Gelegenheit auch, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen: Die Feuerwehrleute haben gedroht am Sonntag zu streiken, man wollte ihnen auf Grund der finanziellen Lage des Landes das Gehalt kürzen.

 

Päpste, Pilger, Polizei

 

In der Stadt ist Volksfeststimmung. Junge Menschen rufen, grölen, Gläubige ziehen singend durch die Straßen. Unheimlich das Ganze. Überall sind Polizisten. Zu Fuß, in Autos, auf Motorrädern, in Booten auf dem Tiber, in Hubschraubern über der Stadt. Autos mit verdunkelten Scheiben werden mit Blaulicht und Sirenen durch die Stadt eskortiert. Man kann sich dieser Aufregung kaum entziehen. Auch weil an 17 touristisch-strategisch-wichtigen Punkten riesige Bildschirme aufgestellt sind, bereit, die Heiligsprechung der beiden Päpste live zu übertragen. Selbst die, die Rom verlassen, entkommen nicht: Am Flughafen Fiumicino soll im Terminal 3 in der Abflughalle eine der „Maxileinwände“ stehen.

Damit die Pilger ihr Ziel auch rechtzeitig erreichen, fahren einige Busse und die Metro am Samstag und Sonntag ausnahmsweise non-stop. Die Metro vor allem, soll es sein, die die Massen durch die Stadt transportiert. Selbst vor den Fahrkarten macht die Heiligsprechung nicht halt: Für Sammler gibt es limitierte Metrotickets mit den beiden bald heiligen Päpsten.

Bildergalerie

Zum Start Foto anklicken

 

Fotos: Silvia

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *