Ein Buchladen nur mit Meeresliteratur! Wie kommt man auf die Idee, das Meer in einen Laden zu packen? Aus Leidenschaft, sagt Gründerin Giulia d‘ Angelo. Was sonst?

 

Mitten in Rom, in der Via di Ripetta, liegt das Meer. „Il mare“ ist ein Buchladen mit einem ganz besonderen Angebot: Alles hier ist mit dem Meer verbunden –  auch Gründerin Giulia d‘ Angelo.

Die Journalistin, Autorin und Verlegerin ist leidenschaftliche Taucherin und sucht unter Wasser am liebsten nach Muscheln, Amphoren und Ankern. 1975 hat sie den Buchladen „Il mare“ eröffnet und damit ihre Interessen unter einen Hut gebracht.

Sohn Marco Firrao – ebenfalls „365 Grad auf dem Meer zu Hause“ – hat inzwischen die Geschäftsführung übernommen – und das Bücher-Sortiment um zahlreiche Accessoires erweitert.

 

Signora d‘ Angelo, war es schwierig, 1975 einen Buchladen nur mit Meeresliteratur zu eröffnen?

Ja, das war sehr schwierig, aber ich habe es mit sehr viel Liebe getan.

Damals gab es wenige Frauen, die sich mit dem Thema beschäftigten. Heute gibt es sehr viele Frauen, die tauchen oder segeln.

Sie sind Archäologin, Taucherin, Journalistin und haben mehrere Bücher veröffentlicht. So auch ein Buch über Anker und Amphoren, die Sie unter Wasser entdeckt haben. Wie findet man im Meer diese Objekete?

Unter Wasser sieht man das, was man sucht. Interessiert man sich für Muscheln, sieht man Muscheln. Interessiert man sich für Amphoren, sieht man Amphoren. Interessiert man sich für Fische, sieht man diese.

 

 

Ich habe nicht nur Bücher darüber geschrieben, sondern auch für Zeitschriften gearbeitet. Ich schreibe immer noch, aber nur über das, was mit dem Meer zu tun hat. Ich bin sozusagen „monomanisch“, auf ein Thema fixiert.

Alles hat bei „Il mare“ mit dem Meer zu tun. Bildbände, Bücher über Segelschiffe, Archäologie, Unterwasserfotografie und Kochrezepte, Romane, geographische Karten, Kalender … Wer kommt denn zu Ihnen ins Geschäft?

Meeresliebhaber und Neugierige. Wir haben viele Stammkunden, die seit Jahren ihre Bücher bei uns kaufen. Es kommen aber auch viele Fremde, einfach, weil sie das Geschäft interessiert. Im Gästebuch sehen Sie Einträge in allen möglichen Sprachen, auf Russisch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch. Die ganze Welt lässt uns einen Satz hier.

 

 

In welchen Sprachen sind die Bücher geschrieben, die Sie verkaufen?

Wir führen Bücher hauptsächlich in englischer Sprache, aber auch in italienischer, französischer, einige wenige in deutscher Sprache.

Das Meer spricht englisch sage ich immer. Die meisten Bücher zum Meer sind auf Englisch erschienen. Die Engländer haben eine besondere Beziehung zum Meer. Das kommt, weil sie auf einer Insel leben, eine Nation der Entdecker sind, so wie James Cook.

Eigentlich waren wir Italiener auch Entdecker, aber wir sind in den Seerepubliken stehen geblieben. Die Römer waren gut darin, zu navigieren, aber das ist heute nicht mehr so. Man sieht das an der Concordia. Eine Tragödie.

Ihr Standort in der Via di Ripetta passt gut zum Meeres-Thema des Buchladens.

Die Via di Ripetta führt zum ehemaligen Ripetta-Hafen, zu dem die Boote auf dem Tiber bis ins Zentrum fahren konnten. Heute ist der Hafen trockengelegt. Vieles in Rom ist aber bis heute mit dem Meer verbunden.

Geht man zum Beispiel zum anderen Ende der Via di Ripetta, kommt man zur Piazza del Popolo. Dort sieht man Delphine, Neptun, Muscheln. Die Statuen und der Brunnen tragen eine Symbolik, die mit dem Meer verbunden ist. Gerade auf der Piazza del Popolo konzentriert sich das.

 

 

Welches ist Ihr Lieblingsplatz in Rom?

Das ist schwer zu sagen, denn Rom ist überall wunderbar.

Ein besonderer Ort für Taucher ist das Meeresreservat, „Le Secche di Torpaterno“, in der Nähe Roms.

Auch Ostia Antica ist sehr interessant. Ein großer archäologischer Platz, den man von Rom aus auf dem Tiber erreichen kann. Ostia Antica ist für Archäologen so interessant wie Pompeji – vielleicht sogar etwas größer.

Als Amphorenliebhaberin gefällt mir auch sehr der Monte Testaccio, auch Monte dei Cocci genannt. Früher fuhren die großen Schiffe bis dort in die Stadt hinein und sehr vieles wurde in Amphoren transportiert, Getreide, Öl, Wein. Da immer wieder Amphoren zu Bruch gingen, brachte man diese zu einem bestimmten Ort, um sie platzsparend aufzuschichten. Über die Jahrhunderte hinweg wurden die Scherben zu einem Berg, dem Monte Testaccio.

In der Osteria „Checchino dal 1887“ kann man nicht nur römisch essen, sondern sich auch die geschichteten Amphoren-Scherben anschauen. Der Epigraphiker Heinrich Dressel kam immer zu Checchino, um die Amphoren genau zu studieren. Und trank gerne dazu einen Wein.

Die Scherben kann man sich auch direkt beim Monte Testaccio ansehen. Dazu am Eingang klingeln und fragen, ob man hinein gehen kann.

 

 

Signor Marco, Sie haben das Geschäft mittlerweile übernommen. Ihre Mutter hat vor allem Bücher verkauft, Sie haben das Angebot um Schiffsmodelle, Fotos, Malereien, Keramiken, edle Krawatten, Insel-Wein und Mützen erweitert.

Ja, man könnte sagen, wir sind ein Konzeptstore geworden. Wir bieten über 35.000 Artikel  aus der ganzen Welt an. Wir verkaufen alles, was wir selbst interessant finden und eben mit dem Meer zu tun hat. Das meiste sind aber nach wie vor Bücher.

 

… und das Angebot erweitert.

 

Wo finden Sie die Bücher und Artikel, die mit dem Meer zu tun haben?

Bevor es das Internet gab, besuchte ich viele Messen, wie zum Beispiel die Buchmesse in Frankfurt oder die „fiera nautica“, die Segelmesse in Genua. Heute reise ich weniger für die Arbeit und erledige vieles per Internet. Durch das Internet geht alles schneller, da man nicht mehr auf Briefe oder auf ein Fax warten muss.

Bei uns kann man natürlich auch über das Internet bestellen. Wenn etwas nicht da sein sollte, besorgen wir das so schnell wie möglich.

 

 

Mehr zum Meer

Das Online-Magazin www.maremagazine.com informiert über Neues und Interessantes zum Meer und Drumherum. Herausgeber ist Maurizio Bizziccari, Guilia d’Angelos Ehemann. (italienisch)

Infos

Il mare – International Bookshop
Via di Ripetta 239
00186 Roma

www.ilmare.com

 

 

Meeresschutzgebiet „Le Secche di Torpaterno“

Wenige Minuten von Rom entfernt, in der Nähe des Strandes Castel Fusano (Lido di Ostia), befindet sich das Meeresschutzgebiet „Le Secche di Torpaterno“, ein Paradies für Taucher und Sportfischer. Mitten im sandigen „Nichts“ liegt diese Felsformation auf dem Grund des Meeres abgegrenzt durch vier Bojen.

Die maximale Tiefe beträgt 60 Meter. Die Unterwasser-„Stadt“ wird von vielen Arten bewohnt: Man sieht Neptungräser (Posidonia oceanica), Medusen, Muränen, den Gronco, Triglie und je nach Saison auch Delfine und einige Arten von Meeresvögeln.

Alle Infos unter ampsecchetorpaterno.it  (italienisch)

Restaurant Checchino dal 1887

Checchino dal 1887 wird als „Institution der römischen Küche“ bezeichnet. Nicht nur die Scherben sind also wohl einen Besuch wert. www.checchino-dal-1887.com

Wer war Heinrich Dressel?

Heinrich Dressel war ein deutscher Epigraphiker (untersuchte historische Inschriften) und Numismatiker (Münzenkenner) und laut Wikipedia geht auf seine Arbeit die Benennung zahlreicher Amphorenformen der römischen Kaiserzeit zurück. Er bearbeitete die stadtrömischen Inschriften, darunter zahlreiche Kleininschriften vom Monte Testaccio.

 

Fotos: Silvia Cavallucci
Text "Le Secche di Torpaterno": Webseite
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One Response to Il mare: Das Meer in Rom

  1. Florence sagt:

    Ich will Meer: Die Buchhandlung wird nächstes Mal zum Pflicht-/Lieblingsprogramm gehören!

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