Die Via dei Fori Imperiali ist autofrei. Seit Samstag morgen 5.30 Uhr dürfen keine Autos und Vespas mehr um das Colosseum herum fahren. Bürgermeister Marinos Ziel: Den „größten archäologischen Park des Planeten“ schafffen. Warum sich die einen freuen und andere sich fürchten.

 

Letzte Autofahrt beim Colosseum

Die letzte Fahrt: Mit dem Fiat 500 ums Colosseum …

 

Seit dem 3. August 2013 ist die Via dei Fori Imperiali, die Straße zwischen dem Colosseum  und der Piazza Venezia autofrei, nur (Elektro-)Busse und Taxis sollen zunächst noch fahren. Bürgermeister Ignazio Marino will mit der Sperrung das Colosseum schützen, denn durch die Erschütterungen durch den Verkehr und durch die Abgase wurde Roms Wahrzeichen in den letzten Jahrzehnten schwer mitgenommen.  Das soll sich ab sofort ändern.

Für  Touristen – und natürlich auch für Römer – soll die Via dei Fori Imperiali zur herrlichen Flaniermeile mitten durch Roms antike Stätte werden.

Wenn anstelle des tosenden Lärms der stündlich durchfahrenden 1.200 Autos nur noch himmlische Ruhe herrschen wird ist das einerseits eine Super-Sache – andererseits ist das Chaos vorprogrammiert.

Bisher war die Via dei Fori Imperiali eine der Hauptverkehrsachsen ins Zentrum der Stadt. Der öffentliche Nahverkehr in Rom funktioniert nicht sonderlich gut – man weiß nie, ob überhaupt und wann ein Bus kommt. Das Kind mit den Öffentlichen in die Schule schicken? Im Leben nicht. So werden die Kleinen ins Auto verfrachtet und hingebracht. Die meisten Römerinnen und Römer verlassen sich auf ihr Auto oder ihr Motorino – und das führt natürlich zu einem enormen Knattern und Tosen in der ganzen Stadt.

Wenn nun die Via dei Fori Imperiali gesperrt ist, muss der Verkehr woanders hin. Jetzt werden die anderen Straßen, die schon überlastet sind, noch stärker belastet. Marino hat nicht wirklich eine Verkehrs-Alternative vorgelegt. Allerdings kommt er seinem Traum den „größten archäologischen Park des Planeten“ zu schaffen, einen Schritt näher. Aber die Konsequenzen sind noch nicht überschaubar.

Die Römer sind sich nicht einig: Die einen finden es toll („Oh wie schön, spazieren gehen am Forum Romanum“) und feierten die ganze Nacht das neue Konzept, die anderen fürchten sich vor Gewinneinbußen und vor dem Lärm. In den umliegenden Straßen wie der Via Labicana gibt es keine Parkplätze mehr, so dass die Leute nicht mehr zum Einkaufen anhalten, die Restaurants sind leer, da auch in Rom niemand gerne an einer tosenden Straße isst und Anwohner haben nun 1.200 vorbeibrausende Autos in der Stunde vor ihrem Fenster. Zusätzlich.

update September 2013: Nicht die ganze Via dei Fori Imperiali ist gesperrt, nur das letzte Stück ab der Via Cavour. In Rom wird weiterhin viel darüber diskutiert und die Zeitungen berichten mal mehr, mal weniger polemisch. Dass der Bürgermeister selbst mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und dabei letztens auf Grund eines Schlaglochs von selbigem gefallen ist und dann den Kultusminister in kaputter Hose begrüßen musste, ist nur eine der Anekdoten, die erzählt werden.

 

Foto: Joe Cavallucci
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