Ich gebe zu: Manchmal belächle ich Touristen, die ihren Rucksack vor der Brust tragen und diesen auch noch mit beiden Händen festhalten … Leider hat sich gestern Abend aber gezeigt, dass man in Rom auch nicht zu sorglos sein sollte. Eine Taschendieb-Aktion mit wundersamen Ausgang.

 

Tasche ist wieder da. Hurra.

Tasche ist wieder da. Hurra.

 

Gestern Abend trafen wir uns mit Freunden zum Abendessen in einem römischen Restaurant an der Viale Aventino. Ein schöner Abend, sommerlich gekleidete Menschen, angenehmes Ambiente. Unsere Freunde saßen uns gegenüber auf einer Bank, die zu einem Kiosk gehört, im Aushang Zeitschriften mit Titeln wie „Tattoo“, „Heiraten“, „Die Braut“, aber auch Panini Klebeheftchten für die Fußball WM.

Während wir auf das Essen warteten, gab es viel zu erzählen, die Aufmerksamkeit war auf uns selbst gerichtet. Plötzlich stand ein Mann hinter uns und fragte nach Geld. Nichts Ungewöhnliches, man muss selbst entscheiden, wem man etwas geben möchte  und wem nicht. Wir gaben diesem Mann etwas und ich beobachtete ihn gedankenverloren als er am nächsten Tisch stehen blieb und auch dort um Geld fragte. Die Dame am Nachbartisch griff sofort zu ihrer weißen Handtasche und nahm sie zwischen ihre Beine. Boah denke ich noch, immer die gleichen Vorurteile. Und greife mal kurz nach meiner Handtasche, die ich über die Stuhllehne gehängt hatte. Und greife ins Leere.

Ich springe auf, schaue verdutzt auf die rechte Seite der Stuhllehne, verdutzt auf die linke: Keine Handtasche mehr da.

Auch mein Mann springt auf, schaut sich um, läuft um den grünen Kiosk mit seinen Modezeitschriften herum, checkt in Sekundenschnelle den Gehweg ab. Rennt da jemand mit der Handtasche weg?

Ich gehe hinterher, sehe vorne den Bettler zwischen den Tischen des nächsten Restaurants. Er hat meine  Tasche auf jeden Fall nicht. Vor meinem geistigen Auge sehe ich meine Tasche im Nirwana der Stadt verschwinden. Da bückt sich mein Mann, hebt etwas auf, kommt auf mich zu, streckt eine – meine! – Handtasche vor sich her und sagt: Ist das deine?

Wieder steigt ein Bild vor meinem inneren Auge auf: Der Blick in eine leere Handtasche. Ausgeschüttet, Geldbeutel, Handys, Fotoapparat gekrallt, alles weg. Nur die Tasche, die leere Tasche bleibt. Immerhin.

Aber nein: Die Handtasche ist unberührt. Sie stand auf der anderen Seite des Kiosk am Boden unter der Bank.

Und es ist noch alles drin.

Ein Schreck, ein riesiger, hätten doch die folgenden Tage anders ausgesehen als Ausflüge ans Meer zu machen oder Cappuccino zu trinken auf der Piazza  … Wir konnten kaum glauben, dass sie wieder aufgetaucht war. Ob jemand die Tasche zur Abholung „zwischengeparkt“ hatte und hoffte, das uns das Verschwinden erst später auffallen würde oder was auch immer – wir werden es nie erfahren. Äußerst erleichtert waren wir auf jeden Fall.

Eines ist sicher: Meine Handtasche wird nicht mehr über einer Stuhllehne hängen … auch wenn ich nicht vorhabe, die Tasche nun ständig krampfhaft festzuhalten.

Tipps

Besonders vorsichtig sollte man in den Bussen sein  – besonders in Bus Nummer 64, der zum Vatikan fährt. Hier gilt: Keine Geldbeutel in hinteren Hosentaschen, Handtaschen wenn möglich mit Reißverschluss schließen und auch schon mal vor die Brust hängen.

Vor vielen Jahren wurde in Rom noch darauf hingewiesen, dass man die Handtasche niemals auf der zur Straße gewandten Seite tragen sollte, denn dann würden Motorradfahrer sie beim Vorbeifahren von der Schulter reißen …

Interessant ist auch der Beitrag von Welt-Autor Paul Badde Der neue Trick der römischen Diebe mit einigen Infos, wie Sie sich gegen Taschendiebe wehren können.

Deutsche Botschaft für Notfälle

Was tun, wenn Personalausweis, Kreditkarte und Bargeld abhanden gekommen sind? Die Deutsche Botschaft hat für Rom wichtige Infos zusammengefasst: www.rom.diplo.de

 

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