Warhol inspiriert. Weil er mit den Möglichkeiten spielte und Neues probierte. Die Ausstellung Warhol: Headlines in der Galleria nazionale d’arte moderna e contemporanea zeigt seine ersten Arbeiten – und hat mich zu ein paar Gedanken angeregt.

Die Ausstellung Warhol: Headlines zeigt Arbeiten aus den ersten Jahren. Er begann damit, Titelblätter in Tabloidform der New York Post und der Daily News nachzumalen. Neben Celebrity News waren es vor allem Katastrophen-Nachrichten wie Flugzeugabstürze, Erdbeben, die Ermordung von John F. Kennedy. „President shot down“ steht überdimensional auf einem dieser Plakate, dazu die Bilder, abgemalt aus der Zeitung. Ist das schon Kunst?

Damals war es sicherlich nicht üblich mit großen Buchstaben und grellen Farben daherzukommen. Oder einfach Ideen umzusetzen: Er filmte Männer und Frauen vier Minuten lang ab. Sie tun nichts, blinzeln ab und an, schauen selten in die Kamera. Heute sieht man ähnliches vermutlich auf unzähligen Handys, damals war es revolutionär.

Er fotografierte, nicht das perfekte Bild, nein, sondern einen amerikanischen Zeitungsständer. Langweilig? Vielleicht. Aber durch seine Aneinanderreihung der Bilder enstand ein ganz neuer Effekt und ein Foto bekam eine Bedeutung. Wer malte damals schon Blümchen auf eine Zeitungsseite? Noch dazu auf eine, in der die Ermordung des Präsidenten bekannt gegeben wurde?

Als Madonna heiratete, überlegte sich Andy Warhol gemeinsam mit Freund Keith Haring, was sie ihr zur Hochzeit schenken könnten. Sie nahmen einen Aufmacher, auf dem Madonna mit Sean Penn zu sehen war. Warhol malte das nach und Keith Haring setzte noch ein paar Illustrationen drauf.

Und das ist es, was mich an Warhol inspiriert: Er hat ausprobiert, gemacht, sich mit Leuten auseinandergesetzt – und war dabei immer sozialkritisch. Dem Leser den Konsum, den Kommerz der Nachrichten vor Augen halten.

Irgendwo habe ich gelesen, dass – würde Warhol heute noch leben – er bloggen, twittern, Pinterest und überhaupt alle Möglichkeiten des Internets nutzen würde, ja dass er sicher mehr Follower auf Facebook hätte, als Lady Gaga. Ganz bestimmt wäre das Internet sein Medium.

Bei seinen Arbeiten habe ich das Gefühl: Man darf, man kann, man muss vielleicht auch, weil die eigene Kreativität das verlangt. Einfach mal machen, dabei auch Spaß haben. Und vor allem: Sich trauen.

„Ich habe nie gelesen, ich habe immer nur Bilder angeschaut“ (Andy Warhol)

Schade eigentlich.

 

 

Ausstellung in der Galleria nazionale d’arte moderna e contemporanea.

Zeitungen, Tabloid, Fernsehen, Kunst, Ideen, Bilder.

Info

Warhol: Headlines

Noch bis 9.9.2012

www.arte.it

Tipp: Auch der Rest der Galerie ist sehenswert. Info unter www.gnam.beniculturali.it

Hinkommen: Mit der Tram 3 oder mit der Metro A bis Flaminia und dann durch die Villa Borghese in die Viale delle Belle Arti.

 

Allein der Spiegelboden im Eingangsbereich lohnt einen Besuch der Galleria.

 

 

 

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