Tina Sondergaard macht fröhliche Mode im Stil der 50er und 60er Jahre. Die Dänin lebt seit über 30 Jahren in Rom und hat es geschafft, nordisches „Minimal“ mit italienischer Ästhetik zu mischen. Im Interview spricht sie über ihren Stil, glückliche Kundinnen und ihre Lieblingsplätze.

 

Tina Sondergaard

Tina Sondergaard macht fröhliche Mode im 50er und 60er Jahre Stil.

Nach mehreren Anläufen treffe ich mich an einem Samstag morgen endlich zum Interview mit Tina Sondergaard. Sobald ich das Geschäft betrete, vergesse ich das schlechte Wetter, denn hier versprechen fröhliche Farben und herrliche Muster einen baldigen Sommer. Oder zumindest schon mal einen baldigen Frühling.

 

Tina, wie kommt eine Dänin nach Rom?

Nach dem Gymnasium bin ich erst einmal nach Paris, um an der Sorbonne zu studieren. Dort begann ich auf Flohmärkten Designer-Sachen von Chanel und Dior aus den 50er Jahren zu kaufen. Diese habe ich auseinandergenommen, mit neuen Stoffen vom Montmatre kombiniert und an Freunde verkauft. Nach Paris ging ich für ein Jahr nach Rom und dann zurück nach Dänemark, um weiter zu studieren.

Das hat mir aber nicht gefallen, meine Leidenschaft war das Nähen. Deshalb bin ich wieder nach Rom und habe 1987 mein erstes Geschäft in Borgo Pio eröffnet. Ich habe Theaterkostüme genäht, für das Kino gearbeitet. Als mir klar wurde, dass ich aus einem Hobby einen Beruf machen kann, war ich überglücklich.


Du bist nun mit deinem Laden mitten im Stadtteil Monti, in der Via del Boschetto, zu finden.

Ich bin jetzt schon seit neun Jahren in Monti. Das war eine gute Entscheidung, denn Monti hat mir mehr Sichtbarkeit gegeben. Zum Beispiel kleidet sich die italienische Sängerin Carmen Consoli nun für ihre Auftritte bei mir ein. Schauspielerinnen kommen her und seit einiger Zeit bin ich auch im Lonely Planet zu finden. Auch im Ausland verkaufe ich meine Kleider, einige Stücke von mir finden sich in einer Boutique in New York.

Am Anfang waren nur zwei Geschäfte in dieser Straße, in den letzten vier, fünf Jahren ist Monti zum Trendstadtteil geworden. Designer und junge Kreative arbeiten nun hier, es hat sich hier sehr viel verändert.


Du sagst, du kleidest jede Frau ein.

Wenn eine Frau eine 52 hat oder eine 36 und nichts von der Stange bekommt, machen wir hier das Passende für sie. Auch wenn es an einem Kleidungsstück etwas abzuändern gibt, tun wir das, so dass das Kleid wirklich passt.

Vor kurzem war eine Dame aus Mailand da und weil das Kleid so gut passte, hat sie sich gleich fünf davon in unterschiedlichen Stoffen mitgenommen.

Ich möchte, dass meine Kundinnen glücklich sind, damit sie auch in der Krise einkaufen gehen können. Deshalb biete ich faire Preise an.


Wo hast du das Nähen gelernt?

Ich nähe schon seit meinem sechsten Lebensjahr und bin Autodidaktin. Die beste Schule, die man bekommen kann, ist, etwas für eine Italienerin zu schneidern. Die Italienerinnen wissen genau was sie möchten und sind sehr anspruchsvoll. Wenn du es geschafft hast, etwas für eine Italienerin zu machen, kannst du alles machen.


Design, Stoffauswahl, Schnitte, Produktion … du machst alles selbst. Wie beschreibst du deinen Stil?

Sehr bunt, ein bisschen ironisch, Schnitt der 50er Jahre, mal eine Jacke im 40er Stil,  ein bisschen 60er, ein bisschen twiggy und Vintage. Ich mag diese Epoche, weil es sehr schöne Schnitte gibt.

Mein Stil ist eine Mischung aus kräftigen Farben und einem einfachen Schnitt. Ich liebe es, gute Stoffe zu finden, denn jeder Stoff hat ein Leben. Es reicht dieses zu interpretieren. Die Stoffe kaufe ich alle in Florenz, alles wird in Italien hergestellt.

Mein Stil soll unterhalten, Spaß machen. Ich möchte Kleider für gute Laune machen.

Mit diesen Kleidern kann eine Frau tagsüber in flachen Schuhen zur Arbeit gehen und wenn sie dazu eine Kette und  hohe Absätze trägt, kann sie abends damit ausgehen.

Wir verkaufen viele Einzelstücke, maximal vier vom gleichen Typ, je nachdem wie viel Stoff wir haben. Dadurch haben wir haben laufend neue Kollektionen, es gibt immer wieder etwas Neues.


Mögen die Italienerinnen deinen Stil?

Ja, er gefällt ihnen. Sie sagen mir, dass er eine nordische Komponente hat. Gegenüber den Kleidern, die man in Italien bekommt ist es eben etwas mehr „minimal“. Feminin ohne gewöhnlich zu sein, ein schlichter Stil.

 

Die Italienerinnen sind ja bekannt für ihren modischen Schick.

Italienerinnen sind in der Lage zwölf Stunden auf zwölf Zentimeter hohen Absätzen zu laufen. Ich habe keine Ahnung, wie sie das machen. Ich könnte das nicht.

Die meisten Italienerinnen haben ein großes Gefühl für Ästhetik. Und sind auch bereit, Opfer für ihre Ästhetik zu bringen.


Du hast noch einen zweiten Laden ein paar Schritte von hier, das „Colpoditacco“ – mit Schuhen und Handtaschen.

Ich habe mit einer Freundin ein zweites Geschäft in der Via del Boschetto, ein paar Schritte von hier, eröffnet. Wir verkaufen dort Handtaschen und Schuhe, die in Italien von kleinen Handwerksbetrieben produziert werden. Wir haben zum Beispiel dreifarbige Sandalen und dazu passende Lederhandtaschen, passend auch zum Stil meiner Kleider.


Du lebst mittlerweile seit 30 Jahren in dieser Stadt: Was gefällt dir an Rom am besten?

Die  Atmosphäre. Es ist ein historischer Platz, ein besonderer Ort. Wohin du dich wendest ist Kultur und Geschichte, du drehst dich um und siehst eine barocke Kirche, ein Monument. Es ist unglaublich. Ich möchte nirgends anders auf der Welt wohnen. Es hört sich banal an, aber es ist die Wahrheit.


Welches sind deine römischen Lieblingsplätze?

Oh, da gibt es viele. Aber wenn es ums Essen geht, empfehle ich das Eataly. Ein Besuch ist ein Spaziergang durch den Tempel des italienischen Geschmacks. Auch die ehemalige Schokoladenfabrik in San Lorenzo ist einen Besuch wert.

Das Pantheon mag ich sehr und die Chiesa di San Clemente sollte man auch gesehen haben, die ist wunderschön. Es ist eine römische Volkskirche auf zwei Ebenen.

Alle Infos zu den beiden Geschäften und zu den Lieblingsplätzen gibt es nach der Bildergalerie!

Bildergalerie

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Tina Sondergaard

Tina spricht deutsch, englisch, französisch, italienisch und natürlich dänisch. Die handgearbeiteten Röcke, Hosen, Shirts und Kleider kosten ab 70, bis 200 Euro. Anpassungen sind inbegriffen.

Tina Sondergaard
Via del Boschetto 1/d
Tel. 0039 – 334 3850799
Facebook/Tina-Sondergaard

Mo – Sa 10.30 – 19.30 Uhr

Schuhe und Taschen im Colpoditacco

Die passenden Schuhe und Handtaschen finden Frauen ein paar Schritte weiter im „Colpoditacco“, zu deutsch „Hackentrick“. Den Laden führt sie gemeinsam mit Lucia Madia mit eigenen Schuh- und Taschenlinien.

Besonders interessant: Die Kollektion „WoWo“, das für Working Woman steht. Diese hochwertigen Taschen aus Leder sind im Stil der 50er Jahre gemacht, mit einer Klappe für Visitenkarten, Innenfächern, in die das Tablet passt und der Clou: Einem Fach für den Regenschirm.

Colpoditacco
Schuhe & Handtaschen
Via del Boschetto 15/a
Tel. 0039 – 348 5996939
Facebook/colpoditaccoshop

Mo – Sa 10 – 19.30 Uhr

Hinkommen

Beide Läden sind in der Via del Boschetto in Monti. Metro B bis Cavour.

Infos zu Monti: www.ciao-roma.de/stadtteil-monti-in-rom/

Infos zur Tinas Lieblingspläzten

Eataly www.ciao-roma.de/eataly/

Die alte Schokoladenfabrik: Zum Abendessen und Schokolade verkosten in historisch-modernem Ambiente. Im Studentenviertel San Lorenzo:
Said – Antica Fabbrica del Cioccolato, Via Tiburtina 135
www.said.it

Tempel, Kirche, nicht verpassen: Das Pantheon, Piazza della Rotonda, Centro storico.

Chiesa di San Clemente al Laterano, eine alte römische Volkskirche mit antiken Ausgrabungen  und einem unterirdischen Wasserlauf. Via Labicana 95, ganz in der Nähe des Colosseums. www.basilicasanclemente.com

 

Fotos: Silvia
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One Response to Happy 50ths: Kleider für gute Laune

  1. […] Wer noch was braucht, kann sich hier eindecken Mode aus römischer Hand oder hier: Kleider für gute Laune […]

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